Herr Meyer

Liebe Lady Viola, ich weiß nicht, wie ich Ihnen sagen soll, wie dankbar ich Ihnen für diesen unglaublichen Abend bin. Sie haben mir für Tage innere Zufriedenheit und äußeres Strahlen geschenkt. Ich muss so offentsichtlich glücklich ausgesehen haben, dass mich mein Arbeitskollege fragte.: "Was hast du eigentlich in Berlin gemacht, außer arbeiten".
Der weitere Dialog verlief dann ungefähr so. Zuerst bin ich wohl etwas rot geworden und er hat mich so komisch angelächelt. Dann habe ich ihm fast die ganze Wahrheit erzählt.
"Ich habe zufällig eine Freundin getroffen und sie hat mich zu sich nach Hause eingeladen. Ich habe zwar nichts gegessen, außer ein paar Weintrauben, du weißt ja, abends nach acht Uhr will ich keine Kalorien zu mir nehmen.Aber Ihr scheint es geschmeckt zu haben. Vom Brust- und Schulterfleisch nahm sie sich mit der Gabel immer wieder ein neues Stück und biss genüsslich hinein. Das Bauchfleisch war in einer leicht französisch anmutenden Hülle verpackt, aber trotzdem zu fettig. Das Steak aus der Keule musste noch etwas bearbeitet werden, schmeckte ihr dann aber sehr gut. Ihr Wein war fantastisch. Ihr dabei zu zusehen, war eine wirklich interessante Erfahrung. Wir haben viel geredet, über Musik, Filme, Bücher und Clubs, die wir kennen und lieben. Wir haben versucht, uns an alte Kinderlieder zu erinnern. Aber vor allem haben wir viel gelacht. Mir hat das Lachen wehgetan. Es war unglaublich schön."
Mein Kollege schaut ziemlich verdutzt: "Ehrlich, das war alles, beim Essen zuschauen und reden? Du bist echt so ein Langweiler, du warst in Berlin! Das genügt, damit Du wie ein Honigkuchenpferd grinst."
Ich darauf: "Tut mir leid, ich werde mich bemühen, Dich nicht mehr mit meinem Glück zu belästigen."
Er: "Mach das bitte." In diesem Moment musste ich ganz schnell das Büro verlassen. Ich hoffe, er hat mein lautes Lachen nicht mehr gehört…
Unglaublich dankbar
Herr Meyer

 

Sonja Schmidtsecond